Krimikultur: Archiv

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Archive for the ‘Polemik’ Category

KEINE KRITIK! Vom Niedergang der Rezension

Posted by Dieter Paul Rudolph - 26. Juli 2015

Es ist noch nicht lange her, da hießen Kundenrezensionen bei Amazon Kundenmeinungen. Und genau das waren sie auch. Elfriede K. aus B. hatte sich einen Thriller gekauft und „konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen“ oder, schlecht für den Autor, „hat sich furchtbar gelangweilt“. Dies aller Welt kundzutun, war und ist das gute Recht von Elfriede K. und  anderen Kunden Amazons, es gibt detaillierte Erfahrungsberichte, man weist auf Mängel hin – und ich muss zugeben, dass mich die geballte negative Kritik an der Elektronik einer Digitalkamera selbst einmal von deren Erwerb abgehalten hat.

Aber bei Büchern? Was interessiert es mich, von mir völlig unbekannten Personen zu erfahren, James Ellroy schreibe ihnen „zu wirr“ oder der neueste Ostfriesenkrimi sei „spannend“? Wenn dann gar noch der Sprachstil als „komisch“ oder „gut zu lesen“ empfunden wird, klinke ich mich aus. Die Meinung des Lesers ist die Meinung des Lesers. Wenn sie jedoch nicht begründet ist, hat sie mit einer „Rezension“ nichts zu tun. Rezensionen nämlich sind „begründete Meinungen“ – und die bei Amazon und Konsorten so selten wie ein Hammerhai im Goldfischglas.

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Beim Sterben zugucken. Eine Polemik wider den Buchhandel

Posted by Dieter Paul Rudolph - 22. November 2013

Buchhandlungen gehen mir auf den Geist. An emotional eher düsteren Tagen betrachte ich diese Abverkaufstellen von Literatur und dem, was Literatur sein will, als ekle Orte geballten Pseudokulturträgertums und halbintellektuell verbrämter Profitgeilheit, geht es mir besser, erheitert mich die Aussicht auf ihr baldiges Verschwundensein. Denn Buchhandlungen werden abgeschafft, weil sie sich selbst längst abgeschafft haben.

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Wie im Fieber

Posted by Dieter Paul Rudolph - 21. Januar 2013

Es gibt Köpfe, in denen möchte man selbst für viel Geld nicht wohnen. Auch wenn man genug Platz hätte, sich darin auszustrecken.“

Das sind die Anfangssätze, die ich brauche, verstehen Sie? Das sind Sätze, die haben Eier, die haben vor allem einem Schwanz. „George Thousand besaß so einen Kopf. Er bewegte ihn gerade skeptisch hin und her, ein dicker Mann auf meinem Bürostuhl.“

Zack, schon ist man mittendrin! Ohne Prolog, okay? In der Story! Mein Held ist Privatdetektiv oder, wie das in Amerika heißt, Private Eye. Er heißt Mike Shooter, das könnte man da drüben nicht bringen, okay, aber in Deutschland? Da reißen sie mir meine Romane aus der Hand! Alle sechsundzwanzig, die ich im Jahr auf den Markt werfe.

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Immer Ärger mit den Unabhängigen

Posted by Dieter Paul Rudolph - 7. Januar 2013

Ich halte nichts von Verschwörungstheorien. Schon gar nicht von der, „die Verlage“ hätten sich zusammengerottet, um gemeinsam die „Independents“ aus dem immer lukrativer werdenden E-Book-Markt zu boxen. Die einzige Theorie, die mir in diesem Zusammenhang plausibel scheint, ist die einer unheilvollen Allianz von Denkfaulheit und Strunzdummheit, von Nachplappern und Vorurteil (hübscher Jane-Austen-Titel übrigens). Heute war wieder so ein Tag, an dem einem bestätigt wurde, dass man mit dieser Hypothese gar nicht so falsch liegen kann. Eine liebe Kollegin hat bei Facebook vorgeschlagen, den 7. Januar doch fürderhin als „Selfpublisher Dissing Day“ zu feiern, eine gute Idee, besser als jeder „Weltnichtrauchertag“.

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Warum ich KEINE Frauenkrimis schreibe (1991)

Posted by piekebiermann - 12. Juli 2009

Warum ich keine Frauenkrimis schreibe (1991)

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Die Crux mit dem deutschen Krimi (2001)

Posted by piekebiermann - 5. Juli 2009

Die Crux mit dem

“deutschen Krimi”

(Radiobeitrag für Deutsche Welle, Sep 2001)

Es ist wirklich komisch: Heute, so scheint es, will alle Welt in Deutschland immer schon Krimifan gewesen sein. Heute werden Krimis groß im Feuilleton besprochen. Heute haben wir endlich sogar den deutschen Krimi.
Haben wir? Nein. Den Rest des Beitrags lesen »

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Pieke Biermann re crime & politics (1994-2009)

Posted by piekebiermann - 1. Juli 2009

PB re crime & politics 1994-2009

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Pieke Biermann re Kriminales + KollegInnen (1989-2009)

Posted by piekebiermann - 1. Juli 2009

über KRIMINALES + KOLLEGiNNEN

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Von denen Mördern & Leichenfotografen (2008)

Posted by piekebiermann - 1. Juli 2009

Von denen Mördern & Leichenfotografen

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Tunnelblicke auf Kriminalität (2008)

Posted by piekebiermann - 29. Juni 2009

Auszug aus dem Vorwort zu DER ASPHALT UNTER BERLIN, Kriminalreportagen (Pendragon 2008)

Der öffentliche Blick auf Kriminalität ist ein Tunnelblick.  Man kann ihn sich, grob verknappt gesagt, vorstellen wie eine Doppelröhre – die eine Röhre ist die Dritte Gewalt, die andere die Vierte Gewalt. Also Justiz und Presse. Beide arbeiten täterzentriert.
Im rechtsstaatlichen Gerichtsverfahren muss die Schuld des Täters zweifelsfrei nachgewiesen werden. Dazu gehört einerseits, dass die anklagende Staatsanwaltschaft (und damit die Polizei) immer auch ermittelt, was gegen den Tatverdacht sprechen könnte, und andererseits, dass den Lebensumständen und Befindlichkeiten des Täters jeder nötige Raum gegeben wird. Das ist oft unerträglich für die Opfer. Sie kommen nur am Rande vor, als Material für die Wahrheitsfindung. Aber es ist dennoch gut so.
Die freie Presse operiert auf einem immer rigoroseren Markt.  Dessen oberstes Gesetz, verschärft durch die Allgegenwart digitaler Informationsströme, heißt: Sei der Erste mit dem attraktivsten Angebot!  Die Vierte Gewalt heute ist auch nicht mehr „die Presse“, sondern verschiedene Medien, aber der Druck trifft alle Redaktionen – Print, Radio, Fernsehen, Online. Unterschiedliche Qualität hängt nicht vom Medium ab, sondern einerseits von der Zeit, die es sich leistet, seine Journalisten eine Nachricht recherchieren und formulieren zu lassen, und andererseits von dem, was seine Kundschaft (mutmaßlich) attraktiv findet. So wie der Verriss eines Kunstwerks leichter ist als das Lob, so sind, wenn’s um Kriminelles geht, Täter die leichtere Übung: „Böses“ zieht immer, Negativschlagzeilen sind sexier, Bilder schnell zu haben, die Stories mindestens vor-recherchiert (von der Polizei) oder sogar ausermittelt (bei Prozessberichten). Das ist womöglich noch unerträglicher für die Opfer. Sie kommen auch hier nur am Rande vor, in gewissen Medien als Material für die Profitmaximierung. Und das ist gar nicht gut so.
Es prägt nämlich nicht nur den privaten Blick auf Kriminalität – so kommt es zum Beispiel, dass alte Menschen am seltensten Opfer von Jugendgewalt werden, sich aber ständig davon bedroht fühlen -, auch seriöse Medienmacher sind gegen den verengten Blick nicht gefeit. Denn nach dem Prinzip bad news is good news arbeitet selbst die edelste journalistische Disziplin: investigative journalism. Der Jagdinstinkt, der lange Atem beim Pirschen, Sorgfalt, Engagement und Intensität der Investigation sind – unbewusst und sicher ungewollt – auf eine Dimension fokussiert: Wo ist der Dreck, der verborgen war oder bleiben soll? Das Negative ist das erregende Skandalon. Das Positive langweilt. Obendrein kommt der Ruf danach meistens aus ideologisch suspekten Kreisen. „Wo bleibt das Positive, Herr Kästner?“ Herr Kästner hat seinerzeit lakonisch gekontert: „Ja, wo bleibt es denn?“
Die Kriminalreportagen in „Der Asphalt unter Berlin“ funktionieren genau andersrum. Enthüllungen zu Taten und Tätern sucht man hier vergeblich. Es geht um all die anderen, die beteiligt sind an der Sorte sozialer Interaktion, die wir Kriminalität nennen. Diese Reportagen sind auf die anderen Dimensionen fokussiert: Wo sind die Überlebensbrocken, die auch in die gesellschaftliche narration gehören, aber kaum je einfließen dürfen? Wo in all dem erlebten Schrecklichen steckt das Humane, das aus dem lähmenden Schrecken und zurück ins Leben führen kann? Sie investigieren nach dem Prinzip Hoffnung.

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