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Blogtour

Posted by Dieter Paul Rudolph - 20. Mai 2016

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Am Ende ist alles gut. Die Bösen erhalten ihre gerechte Strafe und die Guten bekommen Arbeit. Zwei Ruheständler werden wieder aktiv, zudem die Altenpflegerin Mareike, alleinerziehend und damit sichere Kandidatin für Altersarmut. Aber, unter uns, dürfen die das überhaupt? Ist „Arbeit“ nicht ein Wort, dass man spätestens nach dem 65. Lebensjahr nicht mehr in den Mund nehmen sollte, höchstens noch im Zusammenhang mit „ehrenamtlich“ oder „Garten-“?

In Anja Marschalls Krimi begegnen uns die beiden Antipoden des Themas. Da wäre zunächst Lizzi, 70, sie hat ihr Leben lang als Schlachtereiverkäuferin hinter der Wursttheke gestanden und „Darfs auch etwas mehr sein?“ gefragt. Dann kam die Rente – und wir können uns vorstellen, wie Lizzi aufatmete. Endlich! Gott sei Dank hat ihr Mann vorgesorgt. Seine Witwe genießt dank der Beute aus einem Banküberfall ihren Ruhestand, bis die Dinge in Schwung kommen und sich alles ändert. Nein, niemand ist Schlachtereiverkäuferin aus Leidenschaft. Irgendwann wollen die Knochen nicht mehr, aber was soll man tun, wenn das Geld nicht reicht?

Ganz anders verhält es sich bei Hauptkommissar a.D. Pfeiffer. Ihn hat die Pensionierung in ein tiefes Loch fallen lassen. Nicht finanziell. Der Staat entlohnt ab einer bestimmten Vergütungsklasse seine Diener gut. Doch für Pfeiffer war die Arbeit Lebensinhalt und Lebenssinn. Er würde auch unentgeltlich weiter auf Verbrecherjagd gehen.

In den Siebziger Jahren sprach man von „entfremdeter Arbeit“ und hielt ihr die „selbstbestimmte“ gegenüber. Dahinter steckte eine Ideologie, von der heute längst nicht mehr die Rede ist. Dennoch wirkt das Prinzip weiter. Arbeit ist ein Wert an sich, mal negativ, mal positiv besetzt. Sie bedeutet nicht allein Broterwerb, sondern auch Wertschätzung, und fehlt auch nur einer dieser Faktoren, geschweige denn alle beide, wird Arbeit zur Last, zum notwendigen Übel. Darin liegt auch die Crux aller Überlegungen zu einem „leistungslosen Grundeinkommen“. Denn die Menschen wollen nicht nur versorgt sein, sie wollen Arbeit, sie wollen Anerkennung. Eigentlich. Denn manchmal ist Arbeit Last, nicht nur, aber auch im Alter. Nur: Was kommt nach ihr? Ruhestand? Langeweile? Ein Loch, in das man fällt?

Für unsere Krimihelden wird dies alles nicht zutreffen. Ihnen wird die Arbeit Spaß machen und jenen Sinn vermitteln, der für ihre Alterskollegen, die aus bitterer Existenzangst nachts ihre alten Knochen aus dem Bett hieven, um Zeitungen auszutragen, nirgendwo zu erkennen ist. Wie sehr sich die Lage dieser Menschen zuspitzen wird, geht zurzeit durch die Presse. Fast jeder Zweite dürfte in absehbarer Zeit von Altersarmut betroffen sein. Gleichzeitig schraubt man das Renteneintrittsalter immer weiter in die Höhe. Passt. Doch wir wissen alle, dass es auch viele Menschen treffen wird, die selbst dann, wenn sie gerne weiterarbeiten möchten, es nicht mehr können. Ein Bauarbeiter mit 70? So gut wie undenkbar. Ein Professor, der auch noch mit 75 täglich in „seiner“ Uni vorbeischaut? Alltag.

Das Leben ist ungerecht und wäre ein Fall für Lizzi und Co. – nur: Sie stünden vor einem schier unlösbaren Fall.

(Die Rezension findet man hier.)

 

 

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4 Antworten to “Blogtour”

  1. karin said

    Huhu,

    Danke für die interessanten Bericht..schon sehr traurig diese ganze Entwicklung.

    LG..Karin…

  2. Daniela Schiebeck said

    Dankeschön für den interessanten Beitrag. Ich wünsche noch ein schönes Wochenende.

    Liebe Grüße,
    Daniela

  3. Margareta Gebhardt said

    Hallo ,

    toller und interessanter Beitrag . Vielen Dank .
    Leider ist manchmal das Leben ungerecht .

    Liebe Grüße Margareta Gebhardt

  4. Jenny Siebentaler said

    ich bin schon die ganze zeit gespannt mitdabei und würde mich so mega über eine Print Ausage freuen-denn die Blogtour hat es so toll schmackhaft gemacht,und dafür sage ich danke 😀
    VLG Jenny
    jspatchouly@gmail.com

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