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DREI WÜNSCHE FÜR 2016

Posted by Dieter Paul Rudolph - 31. Dezember 2015

Wieder ein Jahr vorbei und wieder nicht wunschlos glücklich. Nein, ich will gar nicht klagen. Aber drei Wünsche hätte ich denn doch, drei Wünsche eines Autors, Lektors, Lesers und Quasi-Verlegers. Ob sie in Erfüllung gehen? Egal. Ich will sie wenigstens mal aufgeschrieben haben.

LIEBE POLITIKER. Okay, zufälligerweise habe ich keinen von euch Verantwortungsträgern gewählt, aber es hilft nix: Ich bin das Volk und ihr meine Vertreter, also macht euren Job und bescheißt mich nicht auch 2016 um eine gehörige Stange Geld, wie ihr es 2015 schon erfolgreich getan habt. Es ist nämlich so: Ich schreibe Bücher. Für Bücher gilt der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von 7%. Dafür nehme ich die Buchpreisbindung in Kauf. Meine Bücher werden auf Papier gedruckt oder, die meisten, in digitaler Form dargeboten, das nennt man dann eBook. Das sind auch Bücher, d.h. die können mit speziellen Geräten gelesen werden und sie haben exakt den Inhalt wie die gedruckten Bücher. Habt ihr das verstanden, liebe Politiker? Anscheinend nicht. Denn wie wäre es sonst zu erklären, dass ihr zwar eBooks unter die BUCHpreisbindung fallen lasst, sie aber nicht wie gedruckte Bücher mit 7% besteuert, sondern mit sage und schreibe 19%, als wären sie Blechohrringe? Also: Einfach mal von euren Referenten checken lassen, dass BOOK das englische Wort für BUCH ist, und dann handeln. Oder ihr entlasst uns aus der Buchpreisbindung. Fänd ich zwar suboptimal, wäre aber immerhin konsequent. Bis dahin nenne ich euch Diebe.

LIEBE SELFPUBLISHER. Ich mag euch. Ich bin einer von euch. Ich liebe Selfpublishing, u.a. deshalb, weil es mir erlaubt, unabhängig von Verlagen zu publizieren. Aber: Dadurch bin ich selbst zum Verleger = Unternehmer geworden und Unternehmer tragen u.a. ein sogenanntes unternehmerisches Risiko. Konkret: Ein Verlag, der Bücher veröffentlicht, muss Geld in die Hand nehmen, Geld, von dem er nicht weiß, ob er es jemals wieder einspielen kann. Er muss, neben vielem anderen, auch seine Mitarbeiter bezahlen, z.B. die Lektoren. Meistens tut er das schlecht, aber das ist eine andere Geschichte. Keinesfalls jedoch sagt ein Verleger: Hey, Lektor, also du weißt ja, ich trage ein unternehmerisches Risiko und fände es cool von dir, wenn du das auch tätest, obwohl du gar kein Verleger bist. Also pass auf: Du lektorierst mir was und wenn sich das gut verkauft, bekommst du auch deinen Lohn. Wenn nicht: Pech gehabt. Nein, so geht das nicht, liebe Selfpublisher, denn genau das glauben einige von euch fordern zu können. Über Verlage schimpfen, aber dann alles umsonst wollen oder möglichst ohne Risiko, das solltet ihr bleibenlassen. Und auch weniger in „Schreibratgeber“ schauen, dafür mehr in die Bücher der wirklich großen Autorinnen und Autoren, denn glaubt mir: Daraus lernt man mehr. Aber das nur mal so am Rande.

LIEBE LESER. Auch 2016 hast du, vor allem im eBook-Segment, wieder sehr viel „Genre“ weggelesen. Find ich gut. Ich schreibe auch Genre und kann ganz ordentlich davon leben, vielen Dank dafür. ABER: Irgendwie hatte ich die Hoffnung, dass das eBook, das ja nun wirklich nicht die Welt kostet, auch eine Chance für das etwas Abseitigere, Irritierende, Anstrengendere wäre. Du weißt, was ich meine? Bücher, bei denen man mitdenken muss und die mehr sind als Urlaubslektüre. Nein, ich will dich nicht dazu zwingen … aber schau mal: So ein eBook kostet selten mehr als drei oder vier Euro, ja, es gibt viele, die kosten nicht mal einen Euro. Mal ganz abgesehen vom „All you can read“ der Flatrates. Vielleicht … schaust du auch mal in Bücher rein, die nicht 0815 sind? Einfach mal reinschauen. Wenn sie dir nicht gefallen, darfst du sie gerne zurückgeben. Aber vielleicht bleibst du ja hängen und erfährst, dass Lesen mehr sein kann als die Zeit totzuschlagen? Ansonsten: Viel Spaß beim Lesen (auch von Genreliteratur), achte vor allem auf die Qualität des Inhalts und weniger auf die Windschnittigkeit des Covers (die Dinger sehen inzwischen sowieso fast alle aus, als kämen sie von ein und demselben Designer) und lass dich nicht so sehr von „Rezessionen“ beeindrucken, weder von positiven noch von negativen. Lies einfach mal rein in den Text.

AN ALLE. Euch ein schönes und produktives 2016, seid brav, aber nicht zu brav, schreibt gute Bücher und lest auch solche. Dann wird das was …

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