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Tagebuch eines angehenden Krimiautors -17-

Posted by Dieter Paul Rudolph - 5. August 2013

Bevor es nun wacker ans Schreiben geht, liebes Tagebuch, müssen wir das letzte Hindernis auf dem Weg zum Ruhm beiseite räumen: die Kritiker. Gemeint ist damit nicht Beate’s Billige Bücher Blog oder gar Theo’s Thriller Theke (nur echt mit ohne Bindestrich). Das sind Blogger und damit qua Naturgesetz keine Kritiker, sondern Leute, die in kostenloser Software herumklicken, um kostenlose Bücher abzustauben. Solche Leute benutzt man, wie ich ja schon ausgeführt habe, aber man nimmt sie nicht ernst.

Auch die Kritiker braucht man nicht ernstzunehmen, nein, muss nicht sein, sie tun es schon selbst zur Genüge. Ein Kritiker (wir verwenden den Begriff geschlechtsneutral) ist ein Mensch, der gerne davon leben würde etwas niederzumachen, von dem er nur leben kann, weil er keine Ahnung davon hat: vom literarischen Schreiben. Das Urteil von Kritikern hat, was die Verkaufszahlen betrifft, keinerlei Relevanz. Entweder man liest sie nicht oder man liest sie und versteht sie nicht. Lediglich die Verlage brauchen Kritiken, weil sie sich die schönsten Sätze herausziehen und in ihre Kataloge schreiben können. Kritiker sind unbestechlich, weil kein Mensch je auf die Idee käme, sie zu bestechen. Gelingt es einem Kritiker wider Erwarten einmal doch, bestochen zu werden, darf er sich Großkritiker nennen und / oder einen hohen geistlichen Titel führen.

Warum Kritiker dennoch für AutorInnen zu Hindernissen werden können? Nun; obwohl sie unbedeutend sind für das lesende Publikum, genießen sie merkwürdigerweise einen besonderen Ruf bei den Schreibenden selbst. Jeden Morgen liest man die Krimikritiken, um „den neuesten Trend“ zu antizipieren, damit man auf eine der Listen oder in die engere Auswahl bei einem der Krimipreise kommt. Es geht also um die Bauchpinselei, das sogenannte Renommee, die irrwitzige Vorstellung, Kritikerlob verschaffte einem den gebührenden Platz in der Kriminalliteraturgeschichte.

Stimmt zwar nicht, aber führt doch dazu, dass sich die Qualität des Krimiausstoßes der jeweiligen Maxime der Kritik anpasst. Momentan stehen literarische Krimis überhaupt nicht hoch im Kurs, angesagt sind eine harte, schmucklose Sprache, die Handlung hat gefälligst in Südafrika, den Südstaaten der USA oder am Südpol zu spielen, der Autor muss wenigstens 65 Jahre alt sein und seit 40 Jahren erfolglos, die Autorin höchstens 35 und gutaussehend. Wenigstens 25% Welthaltigkeit muss ein Krimi aufweisen können, davon 80 % politisch und davon wieder 50 % finanzmarktkritisch. Spielen sollte der Roman wie gesagt bevorzugt im Ausland, bloß nicht in Köln oder Garmisch, denn dann wäre es ja ein Regio Krimi (Bindestrich? Wohl nicht), was auch geht, wenn er noir ist und entweder Nationalsozialismus, Globalisierung und Klimawandel thematisiert oder am besten alles zusammen. Krimis, die diese Kriterien nicht erfüllen, werden von der Kritik nicht beachtet.

Und genau deshalb schreibe ich meinen Krimi so, dass er gar nicht erst unter die Augen der Kritik gerät. Denn die Folgen einer Beachtung durch Krimikritiker können fatal sein. Sätze wie „Die Relevanz der subkutanen Pauperität als opakes Must in einer klandestinen Gesellschaft ist von einer geradezu thomasmannschen Welthaltigkeit und somit sine cum tempore“, so sie erst einmal in einem Verlagskatalog stehen, sind tödlich. Man hat für alle Zeiten seinen Ruf als schwer lesbarer, intellektueller Autor weg und, merke es dir, liebes Tagebuch, nichts, wirklich gar nichts schädigt den Verkaufserfolg eines Werkes mehr als die Mutmaßung, sein Autor habe während des Schreibens seinen Verstand bemüht. Also: Kritik von vornherein umgehen, ausschalten, ignorieren. Das haben alle Großen so gemacht.

 

 

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5 Antworten to “Tagebuch eines angehenden Krimiautors -17-”

  1. Ria said

    Hoho! Erzähl mir mehr davon …

  2. Mist. Wie kann ich meinen Neuen besprochen kriegen?. Hart, schmucklos kann ich nicht. Etwas anderes als Südstaaten kenn ich nicht (was ja wohl positiv ist). Politisch und Finanzmarktkritisch klappt, vom Alter her bin ich absolut im Rennen, was Welthaltigkeit bedeutet weiß ich nicht, und klimawandelnde Nazis sind selbstverständlich auch dabei. Könnte also hinhauen. Mal sehen.

    • Ria said

      Ich bespreche ihn die gerne. Bei Vollmond auf einer Waldlichtung, und tröpfele noch Tau von geweihten Farnkräutern drüber. Danach wirst du ihn nicht mehr wiedererkennen. Großes Ehrenwort.

      • Dieter Paul Rudolph said

        Hm Ria, das könnte hinhauen… Nur das mit den Südstaaten muss raus. PJ? Mach Schwarzwald rein.

    • Dieter Paul Rudolph said

      Deine Chancen auf einen Preis sind prima! Nur mit den Verkäufen wirds wohl nix…

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