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Tagebuch eines angehenden Krimiautors -3-

Posted by Dieter Paul Rudolph - 14. Juli 2013

Gott sei Dank ist es mir noch rechtzeitig eingefallen! Für den Erfolg eines Krimis sind nicht nur der erste Satz, der Titel und ein cooler Klappentext wichtig, sondern auch das Preis-Leistung-Verhältnis muss stimmen! Letztlich sind auch Bücher nur Bandnudeln. Wenn ich für 500 Gramm 2 Euro bezahlen muss, greife ich zu, bei 3 Euro nur dann, wenn ein besonders lieber Mensch zum Essen kommt, und bei 4 Euro schimpfe ich auf die Inflation. Büchern, Krimis vor allem, ergeht es ähnlich. 300 Seiten für 10 Euro, Taschenbuch, das ist ein fairer Deal. Wobei Krimis ja nie genau 10 Euro kosten, sondern 9,90 oder 9,95 oder 9,99, das heißt dann Psychologie. Man kann auch tricksen und nur 250 Seiten für 9,99 anbieten, aber dann muss das Papier dicker sein. Vor allem ältere Menschen lieben das Haptische.

Mein Krimi wird den goldenen Mittelweg beschreiten: 270 Seiten für 9,90, darauf werde ich bei dem Verlag, den ich erst noch suchen muss, bestehen. Ich werde ihm das Beispiel mit den Bandnudeln ans Herz legen und fragen, ob sie für 500 Gramm 4 Euro ausgeben würden.

Doch kommen wir nun zum Titel. Der Titel muss packen wie eine eisige Hand, die aus dem Papier hervorschnellt, die Kehle des potentiellen Käufers in den Würgegriff nimmt und so lange zudrückt, bis der so Gepackte „Okay, ich kaufe!“ krächzt. Ein wunderbares Beispiel dafür ist die Autorin Frau Schenkel. Sie packt es irgendwie nicht, ein vernünftiges Preis-Leistungs-Verhältnis (siehe oben) hinzukriegen, trotzdem verkaufen sich ihre Bücher wie Bandnudeln. Warum? Weil der Titel stimmt! „Tannöd“ – „Kalteis“ – „Finsterau“ – wow! Da liegt die Stimmung in wenigen Buchstaben komprimiert vor einem und noch bevor der Leser auch nur einen Satz gelesen hat, weiß er: Das wird spannend.

Es geht auch anders. Man muss einfach das Wort „Mord“ oder das Wort „Tod“ im Titel unterbringen, bei einem Regiokrimi günstigerweise mit dem Namen des Ortes, der Region oder einer dort heimischen Spezialität. Aber bitte nicht übertreiben! „Mord und Tod im Hamburger-Schnellrestaurant“ wird sich miserabel verkaufen, sogar für 8,95.

Im Moment schwanke ich zwischen zwei Titeln, der Schenkel- und der Tod-Variante. „Düsterhenn“ könnte das Buch heißen, dann nenne ich den Protagonisten eben Düsterhenn. Oder „Tod auf der Reeperbahn“, dann wird halt auf der Reeperbahn gestorben. Ich tendiere zum zweiten, weil in „Reeperbahn“ auch gleich der Sexfaktor ins Spiel kommt, der wiederum Männer dazu animieren könnte, wieder einmal ein gutes Buch zu lesen.

Aber nein! Gerade als ich den Titel über mein Manuskript schreiben möchte, kommt mir die Erleuchtung. Ich schreibe ja einen literarischen Krimi! Da muss man den Leser fordern! „Düsterhenn und der Tod auf der Reeperbahn“, nein, besser noch: „Düsterhenn oder der Tod auf der Reeperbahn“! Da werden sich die Leser sofort fragen: Oder? Ja wieso denn oder? Und dann hab ich sie angefixt.

Es geht voran, liebes Tagebuch, du merkst es schon. Kommen wir also zum Sahnehäubchen, zum letzten wichtigen Punkt der Vorarbeiten: dem Klappentext. Aber das hat Zeit bis morgen, denn für den Klappentext muss man ausgeschlafen sein.

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