Krimikultur: Archiv

Materialien zur Krimikultur

  • Im Krimikultur-Archiv

    finden Sie Aufsätze, Diskussionen, Gespräche und andere Arbeiten zum Thema "Krimikultur". Was das ist? Was das werden könnte? Darüber redet die Interessengemeinschaft Krimikultur, der man zwanglos beitreten kann. Weitere Informationen zur IG Krimikultur und die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme finden Sie hier.
  • RSS Krimi-Depeschen

  • Kategorien

  • Archive

Blick zurück in die Woche

Posted by Dieter Paul Rudolph - 18. Mai 2013

Verschulung, Gewohnheiten, Gesetze. Rowohlt macht jetzt eine „Krimischule“. Rowohlt. Wir erinnern uns. War einmal ein Krimiverlag, unter anderem, brachte uns die ersten Schwedenwelle, der leider weitere folgten. Brachte uns den Soziokrimi, der unter seiner Dialektik erstickte. Brachte uns… Nein, „Krimischulen“ sind weder originell noch das, was wir bei Facebook als „gefällt mir“ markieren. Letztlich sind sie Honigtöpfchen für Schreibbienchen, denen der Stachel des Literarischen fehlt. Ausnahmen inbegriffen, wie das halt so ist. Schulen generieren Rädchen im Getriebe, das war schon immer so, normierte, vorgestanzte, letztlich leblose Aneinanderreihungen von Buchstaben. As usual.

Apropos wie immer: Ja, es ist wie immer. Man veranstalte ein großes Tamtam, sperre eine Rotte Übersetzer in videoüberwachte Räume und gebe ihnen ein dickleibiges Manuskript zum Eindeutschen oder Einfranzösischen oder Einjapanischen. Das Publikationsprocedere als Event, das ist wie Castingshow auf RTL oder sonstwo. Herauskommt ein „Superstar“ und im Zweifel heißt der stets Dan Brown. Und ganz sicher wird das „abverkauft“, dass des Buchhändlers, der Buchhändlerin Herz lacht oder, hui, in den Beutel springt. Lass ab, Mammon. Oder, summa, Endzweck aller Krimischulen: Generierung eines einzigen Dan Brown, dann strahlt die Bilanz ganz in Profitschwarz.

Neues Diogenes-Magazin eingetroffen. Ehrlich, das ist immer der Einbruch des Krimibildungsbürgertums in meine anarchistischen vier Wände, man riecht den Fünfuhrtee, sieht die abgespreizten kleinen Finger der Damen, die Dauerwellen, die Bacheditionen im Luxusschuber. Nun, tolle Backlist, klar. Aber sonst? Antiquiert wäre ein zu sanftes Wort, staubig trifft es keineswegs, in Diogenes-Haushalten wuseln dienstbare Geister mit Zewa-Wisch-und-Weg-Tüchern durch die Räumlichkeiten. Immerhin: Donna Leon schreibt lobend und gar nicht dumm über Ross Macdonald. Ja, hm, müsste man wieder einmal lesen, unbedingt. Also Ross Macdonald, damit wir uns nicht missverstehen.

Lesen, ja. Schreiben, ja. Das Schundbüro wird Gegenstand gelehrter wissenschaftlicher Betrachtungen, dazu bald vielleicht mehr. Der Büroleiter ächzt über dem vierten Teil der „Domestiken“, immer noch. Aber wird, liebe Fanatiker, wird. Die Literaturgeschichte ist notorisch eine Geschichte der Verspätungen, aber am Ende liegt alles auf dem Tisch, schonungslos. Tisch. Frühstück. Tschüss.

 

dpr

Advertisements

3 Antworten to “Blick zurück in die Woche”

  1. Kle said

    Rowohlt hat auch schon mal einen Wettbewerb ausgeschrieben, um neue Autoren für historische Romane zu beschaffen. Inzwischen ist der historische Roman tot, wie jemand berichtet. Dafür habe Rowohlt einen Liebesroman gekauft, der bisher nur als Ebook existierte. Einfach so, weil er auf Platz eins der Ebook-Seller stand.
    Bei der Krimischule sollte aber jeder hoffnungsvolle Autor mitmachen, der sich mit dem Programm des Verlages vertraut gemacht hat und somit weiß, was ihn erwartet. Sie wird von Bernd Jost geleitet, der nicht nur sehr nett ist, sondern auch Janwillem van de Wetering kannte.

  2. Ria said

    Möglicherweise lernt die Novizin in der Rowohlt-Krimischule >Ja zum UrheberrechtDan Browns body lies a-mouldrin‘ in the grave, but his saint ’s goin‘ marchin‘ on …<

  3. Ria said

    Die dicke Mitte meines Kommentars ist einfach verschwunden, deshalb: Möglicherweise lernt die Novizin in der Rowohlt-Krimischule >Ja zum Urheberrecht< als Kanon zu singen, das wäre eine echte Bereicherung.
    Der neue Dan Brown kommt dagegen von selbst, zur Not als Inferno.
    Und wo wir schon beim Singen sind, wie heißt es noch in dieser Sezessionsballade: Dan Browns body lies a-mouldrin' in the grave, but his soul 's goin' marchin' on …

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: