Krimikultur: Archiv

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Was ne Woche!

Posted by Dieter Paul Rudolph - 11. Mai 2013

Platzt die Blase? Oder blatzt die Plase? Dass die Bluse plutzt, na gut, das kennen wir ja schon. Willkommen zur nächsten Runde von „Der Krimi stirbt und verstreut seine Eingeweide in der Gegend – und ich bin dabei.“ Nebst, das ist neu, charmantem Insiderdissing des Syndikats, den Vereinigten Staaten der hiesigen Krimischaffenden. Und das auch noch in der „Welt“! Nicht wie sonst üblich im Hinterstübchen des Krimiklüngels. Wofür die Urheberin des Streits, Frau Stephan aka Chaplet auch umgehend von ihresgleichen Prügel bezog. Wenn schon offene Kritik, dann bitte nicht öffentlich!

Und sonst? Ja, es geht ein Unbehagen um in Krimiland. Zu viel, zu schlecht, zu sehr das immergleiche Zeug. Krimi, das ist auf Logik getrimmter Hirnschwurbel vom Fließband, das ist, als hätte sich Max Brod Kafkas „Die Verwandlung“ vorgenommen und vor Drucklegung alle wissenschaftlich nicht haltbaren Textstränge entfernt. Aus einer imaginären Amazon-Rezension (1 Stern): „… völlich unrealistisch dass sich ein Mensch da in so einen Käfer verwandelt, also völlich unlogisch mein ich also jetzt fühl ich mich aber verarscht und ich hab schon fünf Bücher gelesen aber das hier ist das schlechteste deshalb diese Rezession.“

Okay, wir lachen jetzt. Aber genau hier kratzt der Fingernagel an der Haut des prallen Krimiluftballons. Logik. Fred Vargas macht es richtig, Jerome Charyn macht es richtig, Leo Perutz hat es richtiggemacht, dpr versucht es richtig zu machen: Die Logik eines menschlichen Gehirns hat wenig mit der Logik seiner bewussten Ausdünstungen zu tun, die nichts weiter sind als der hilflose Versuch, die eigene Existenz in rationales Geschenkpapier zu verpacken. Zukunft des Krimis? Weg von den Lächerlichkeiten einer hausbackenen Logik, hinein in die Kathedralen des Phantastischen, wo sich der Verstand des Lesers öffnet, gerne auch kotauen vor Schundaltären, aber hütet euch vor kitschigen Kirchenfenstern.

Leser, apropos. Die Zukunft der Kriminalliteratur entscheidet sich nicht bei Tagungen oder in den Marketingboxen von Verlagen, die Zukunft der Kriminalliteratur entscheidet sich in den Köpfen der Leserschaft. Aber sicher, aber immer. Das stimmt uns pessimistisch, ist aber der einzige Quell für unseren vorsichtigen Optimismus.

So, genug für heute, ich muss nachdenken gehen.

dpr

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