Krimikultur: Archiv

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Samstag, Blick zurück

Posted by Dieter Paul Rudolph - 4. Mai 2013

Samstag, 6 Uhr 30. Ja, ich stehe auch am Wochenende so früh auf! Zeitung reingeholt. Zufälliger Blick auf eine Schlagzeile im Innenteil: „Wir sind nicht mehr die führende Kulturnation!“ (Ausrufezeichen von mir). Sofort in tiefe Depression verfallen. Ach! Noch soforter an den deutschen Krimi gedacht. Ob er jetzt heult? Die Amis plötzlich besser? Oder die Schweden, die Andorraner? Armer, armer deutscher Krimi. Dahinter steckt eine Intrige, bald lassen sich deutsche Krimischaffende wieder nackt fotografieren, auf den Brüsten in Leuchtfarbe: „Betrug!“ So wird es kommen, glaubt mir nur.

Gestern: Es gibt jetzt ein neues Siegel für die Bücher von Selbstverlegern, die sich gerne Independants nennen. Es heißt „Qindie“ und will für Qualität sorgen. Nicht nur technische (was zu begrüßen ist), auch für inhaltliche. Hört ihr die Schauer, die mir gerade den Rücken runterlaufen? Lawinen der Antizipation, vage Ahnungen des reinsten Horrors. Aber, siehe oben: Wenn wir nicht mehr die führende Kulturnation sind, dann aber hoffentlich immer noch die führende Bürokratennation. Qualität! Siegel! Erinnert mich an das aufgebeppte „Bestseller!“ auf Büchern, von denen noch kein einziges Exemplar verkauft wurde.

Drücke mich im Moment davor, Krimis zu Ende zu lesen. Nicht dass sie schlecht wären… es liegt ausschließlich an mir. Eine gewisse Übersättigung, Unrast, Unlust. Habe jetzt angefangen, Guido Rohms „Untat“ noch einmal zu lesen, habe nicht gemerkt, dass ich das Ding ja schon vor Monaten gelesen habe, was unbedingt für das Buch spricht. Man kann es immer wieder neu lesen. Sofort heftiger Ausbruch von Eifersucht. Der Bursche wird mir gefährlich, ich muss ihn schleunigst diskreditieren. Habe gerade den ersten Teil seiner „Tagebücher“ vorliegen, leider auch hier keine Ansatzstelle, den Kerl zu dissen. Ein ungemein bescheidener Mensch, höflich und nett, zuvorkommend und fleißig. Oh, ich glaube, ich habe ihn gerade diskreditiert…

Das Schundheftprojekt macht immer größeren Spaß. Aufpassen, dass wir nicht „Kult“ werden. Was „Kult“ wird, wird Antiquität und Sammlerstück, versinkt in Nostalgie. Apropos Nostalgie: Gesine hat angefragt, ob bibliophile Blogger nostalgisch seien. Antwort: Definiere bibliophil, definiere nostalgisch. Weitergehende Antwort: ja und nein. Wie immer also. Zwei Seelen in meiner Brust. Und auf keiner steht „Betrug!“

Ich sollte mich unbedingt einmal nackt fotografieren lassen. Die Welt soll sehen, dass ich einiges zu verbergen habe. Ob das der Kulturnation hilft? Unbedingt.

Schluss: Domestiken IV. Ich hasse euch. Aber ich werde euch überrumpeln. Kultur, ich hau dir eins über die Rübe!

 

dpr

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