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Rückblick, Ausblick

Posted by Dieter Paul Rudolph - 22. April 2013

Schreibarbeit: Essay über den Schund in Theorie und Praxis, endlich fertig, als Gastbeitrag auf einem befreundeten Blog. Kernthese: Schund ist ein soziologischer Kampfbegriff, ein Pfeil im Köcher der sozialen Diffamierung. Abgrenzung: Schund ist nicht Kitsch! Kitsch ist eine literarische Diagnose, speziell im Krimigenre der Versuch, „Anspruch“ zu generieren und doch nur das Ausgelutschte noch einmal in neues Papier einzuwickeln. Zitat: „Neben dem Kitsch der Erniedrigung von Geschichten und Sprache existiert also auch der Kitsch der Erhöhung von Geschichten und Sprache zu einem letztlich affirmativen System von „Anspruch“. Wer nicht liest, um sein Gehirn bei der Bearbeitung des intellektuellen Common Sense hörbar ächzend in Schwingungen zu versetzen, wer gar nur „aus Wolluscht“ schmökert, fällt ohne Umschweife aus der Hochkultur.“

Lesearbeit: Clementine Skorpil, „Gefallene Blüten“ (Ariadne Kriminalroman). Ort und Zeit: Shanghai 1926, die Autorin ist Sinologin, wir wollen ihr das Historische also unbesehen abnehmen. Für einen Krimi – nach 100 Seiten geurteilt – erwarte ich ein wenig mehr. Aber noch sind 240 Seiten Zeit.

Aufgeschnappt: Es gibt jetzt Richtlinien für Rezensionen von Bloggern. Uninteressant. Interessanter: Richtlinien für Rezensionen von Nichtbloggern.

Abgeschlossen: Die dreizehn Pulp-Romane, siehe Le Poulpe. Fazit: Es tut einem in der Seele weh, dass ein solches Projekt in Deutschland nie und nimmer eine Chance hätte. Weil es das Publikum nicht gibt. Und das Publikum gibt es nicht, weil es die AutorInnen nicht gibt. Oder umgekehrt? Oder Teufelskreis? Teufelskreis.

Projektiert: Ich muss mir endlich mal drüber klar werden, ob „Was ist Krimi?“ als Buch denkbar wäre. „Denkbar wäre…“: schon diese Formulierung… Außerdem: Stehe vor dem entscheidenden Durchbruch bei der Konzeption von „Domestiken IV“. Ein roter Faden, eine formale Idee. Braucht noch zwei, drei Tage, aber dann: Schreibarbeit. Der Kreis, siehe oben, schließt sich.

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3 Antworten to “Rückblick, Ausblick”

  1. krimiblog said

    Schöne Idee mit dem Rück- und Ausblick. Zu Le Poulpe und Chancen in Deutschland: Ob es die Autoren gibt, kann ich nicht beurteilen. Das Publikum mag es als Randgruppe geben, immerhin hat es ja Versuche gegeben, die Reihe bei Wunderlich zu veröffentlichen. Was aber fehlt, sind die Mittler, die Lesern ein solche Texte näher bringen, erklären, Hintergründe aufzeigen und verdeutlichen, warum solche Literatur wichtig ist.

    Montagsgrüße aus dem Norden
    Ludger

  2. peterjkraus said

    Verehrter (ex-)Kritiker! Verkauft Springer noch Zeitungen? Gibt es in Deutschland für ein gutes Tittenfoto mehr Kohle als für einen 300-Seitigen Krimi? Ist Internetpornografie tot? Gibt es noch Bahnhofskioske?

    Pulp zielte auf „Randgruppen“, die zusammengenommen einen gute, dicke Schnitte im Tortendiagramm des amerikanischen Publikums. Pulp zielte auf diejenigen (Männer), die statt der New York Times lieber die New York Post lasen, die täglich ein frisches Foto der Fantasienachbarstochter auf Seite Drei erwarteten, die heimlich sogenannte „French Postcards“ kauften, von Herren, die die Ware an Straßenecken auf der Mantelinnenseite trugen und ausstellten.

    Deshalb auch pulp: das allerbilligste Papier mußte herhalten. Nichtmal bearbeitet, daß es für den Amihintern weich genug war, sondern fast roh. Die Herren, die den Schund lieferten, wurden entweder pauschal bezahlt oder — die erwiesenen Hitmakers — pro Wort.

    Die Covers? Schau mal die Titelbilder dieser Bücher und Pulp Magazines an. Tits, Guns, zerrissene Kleider, zart angedeutete Erektionen. Und der Preis, oben rechts oder links in der Ecke, unübersehbar: 10C, 25C, später $1, viel später schamhaft verkleinert und der non-pulp Norm angepaßt.

    An fehlenden Autoren liegt´s nicht. Die in Frage kommenden sind nur noch im neudeutschen Heimatroman tätig.

    An der Zielgruppe liegt´s nicht. Die setzt ihr nur zu hoch an.

    • Dieter Paul Rudolph said

      Mag sein, Peter. Aber auch Schund kennt Qualität. Ich erlebe es gerade wieder mit unserer Autorin Linda Vinci, die „Tavora, Herrin des Dschungels“ schreibt (Moment, ich veröffentliche gleich mal das Cover im Schundblock…). Auch die niederen Instinkte wollen kunstvoll angesprochen werden, das ist harte Arbeit… Und natürlich geben wir nicht auf! Im Gegenteil!

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