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Krimikritik – Fazit und persönlicher Ausblick

Posted by Dieter Paul Rudolph - 14. April 2013

Acht Jahre Krimikritik. Acht Jahre zwischen der Liebe der Gelobten und dem Hass der Verrissenen. Aber das ist in Ordnung. Acht Jahre aber auch unfreiwilliger Teil einer „Szene“, deren Protagonisten die Attitüde machtbewusster Diktatoren pflegen, kleine Kims, deren Armeen „Listen“ und „Preis“ heißen, deren Personal wiederum so ausgesucht wurde, dass es die Hegemonie der Herrschenden sichert, die bei den unausweichlichen Machtkämpfen ihre Seilschaften geschickt dirigieren. Acht Jahre, in denen der deutsche Krimi abwechselnd als „zu provinzell“ oder „zu internationalistisch“ etikettiert wurde, in dem man wie der gute alte Berliner Leierkastenmann in den Zille’schen Hinterhöfen die Moritat vom baldigen Platzen der Krimiblase singsangte und die ewigen neuen Säue durch Potemkinsche Dörfer trieb. Acht Jahre, in denen Autorinnen und Autoren gute Miene zum durchsichtigen Spiel machen mussten. Entweder anbiedern und darauf hoffen, „besprochen“ zu werden – oder es nicht tun und damit dem Schweigen der Kritik anheimzufallen.

Acht Jahre, meine acht Jahre als Krimikritiker. Dabei hat doch alles so verheißungsvoll begonnen. Web 2.0, jeder ist sein eigener Publizist, wer einen Blog aufsetzen kann (und es kann wirklich jeder), verfügt umgehend über ein Massenmedium, wird von den Verlagen mit Leseexemplaren großzügig bestückt und darf sich „Kritiker“ nennen oder wenigstens „Rezensent“. Oh ja, erzählt der Großvater mit leuchtenden Augen, es war eine wilde Zeit! Die neuen Akteure des Web warfen sich auf die Kriminalliteratur, sehr zum Missfallen der Traditionalisten, deren Traditionalismus aus Papier war und wie dieses mit der Zeit zerknittert und vergilbt. Schlachten wurden geschlagen! Am Ende gab es, wie üblich, keinen Sieger. Man ignorierte sich oder arrangierte sich, „Webaffine“ wurden Papiertiger, Papiertiger webaffin, an der Qualität der Kritik indes änderte das nichts.

Oder doch? Acht Jahre Krimikritik im Netz, das bedeutet durchaus auch: Veränderung. Ich gebe zu, dass ich diese Veränderung lange Zeit nicht wahrgenommen habe, dieses allmähliche Anwachsen der Blogs, die sich vorwiegend oder auch dem Krimi zuwandten und ihn „besprachen“, die Rezensionen in die Dauerhaftigkeit des Digitalen setzten, deren kritische Essenz sich zumeist in einem „hat mir gefallen“ oder „hat mir nicht gefallen“ erschöpfte, die von „Schreibstil“ fanterten und der Erörterung des Covers mehr Aufmerksamkeit als dem Inhalt schenkten. Aber gut, das hatte nicht ausbleiben können und war – ist – auf eine verdrehte Art pittoresk und unfreiwillig komisch.

Vor allem aber hat es nichts am Zustand dessen geändert, was wir „die echte Kritik“ nennen wollen, um das Wörtchen „professionell“ zu vermeiden, denn das wiederum bedeutet ja nur, dass ich mein Geld damit verdiene, Krimis zu besprechen, was kein Qualitätskriterium sein kann. Ebenso wenig wie die „Reichweite“. Denn machen wir uns nichts vor: Das Gros der Krimikritik erreicht die Mitte des Marktes nicht, jenen Ort also, an dem die Bestseller, die kalkulierten Schnellschüsse und Trittbretttexte stapelweise parat liegen und zumeist ohne vorherige Konsultation der kritischen Instanzen abgegriffen werden. Wer es in der Szene zum „Papst“ gebracht hat (und das sind, man glaubt es kaum, erstaunlich viele), fällt in der ebenso anonymen wie letztlich alles entscheidenden Masse nicht mal als Kaplan auf. Denn diese Masse ist auf entsetzlichste Weise atheistisch oder aber, noch entsetztlicher, betet zu anderen Göttern.

Man bleibt also unter sich, man bestimmt seine Kardinäle, man trifft sich zum Konklave – und draußen vor der Tür hetzt das Lesevolk, die Nasen im Instantkrimi, ungerührt vorbei.

Kurz: Die Krimikritik bewirkt, ökonomisch betrachtet, so gut wie nichts. Dennoch ist sie notwendig. Für die kleinen Verlage zumal, bei denen 100 dank einiger positiver Kritiken mehr verkaufte Exemplare durchaus von ökonomischer Relevanz sein können, für die AutorInnen, deren Gier nach Feedback grenzenlos ist, für die Happy Few unter den LeserInnen, die sich auf dem lärmenden „Markt“ nicht wiederfinden. Natürlich auch für die Großen der Branche, denn eine Empfehlung aus etabliertem Munde macht sich immer gut im neuen Verlagskatalog. Ansonsten jedoch setzen diese Großen auf andere Meinungsmultiplikatoren: die blogbesitzenden Krimimimis (gerne auch männlich), die Amazon-“Rezensenten“, immer mehr auch auf Buchtrailer und Gimmicks, auf Verlosungen und Facebook-Likestorms.

Die Krimikritik, nun, sie nimmt solche Entwicklungen zur Kenntnis, reagiert aber kaum darauf. Stattdessen tut sie das, was sie schon immer getan hat: sie bespricht Bücher. Mehr oder weniger ausführlich, mehr oder weniger engagiert, die Nase stets im Wind des neuen Trends, selten einmal nostalgisch, noch seltener über den Rand dessen hinausschauend, was sie da gerade so liest. Es wird weiter gepreist und gepriesen, gelästert und gelistet, schwer über die Zukunft des Genres räsoniert, das sich dagegen nicht wehren kann und auch gar nicht will. Es findet ja eh anderswo statt, in den Buchkauftempeln oder den finsteren Ecken der absolut Unverkäuflichen, zum Beispiel.

Acht Jahre – und nichts. Krimikritik findet weiterhin statt und niemand würde sie vermissen, verschwände sie ohne Umstände im Orkus der Daten. Also: acht Jahre sind genug. Ab sofort werde ich keine Bücher mehr besprechen, ich werde aber weiterhin über Bücher sprechen, nur eben: im größeren Zusammenhang, in einem anderen intellektuellen Koordinatensystem. Das könnte spannend werden, jedenfalls für mich. Auf jeden Fall wird es entspannender, denn, schwupp, fällt man aus der Szene hinaus. Sehr schön. Kommen Sie doch einfach mit.

dpr

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16 Antworten to “Krimikritik – Fazit und persönlicher Ausblick”

  1. krimiblog said

    Spannendes Fazit, danke lieber dpr. Drei Anmerkungen von mir:

    1, Das, was Du als „anderes intellektuelles Koordinatensystem“ beschreibst, gab es in veränderten Formen schon vor dem, was wir heute „Krimi“ nennen. Das große Versäumnis der Krimikritik, wie Du sie beschreibst, ist in meinen Augen, dass eben ein solches, immer auch kritisch zu hinterfragendes Koordinatensystem für DAS, was wir „Krimi“ nennen, nie wirkich im größeren Umfang erarbeitet oder gedacht wurde. Ja, Du hast es versucht und ein paar andere sicher auch, aber die Päpste und Kardinäle geben noch heute bei Fragen nach ästhetischen Kriterien, Zusammenhängen, Thesen immer wieder die gleich Antwort: Damit kann man semesterweise Literaturseminare füllen. Kurz. Sie weichen permanent auf diese ästhetischen Fragen aus. Jede Ästhetik ist natürlich angreifbar, aber sie zu verneinen, führt zu einem, wie ich finde, luftleeren Raum. Einer der Gründe, weshalb „Krimikritik“ nicht wirklich greift. Sie schwebt irgendwo zwischen Realismustüchtigkeit und fiktionalem Eskapismus.

    2. Hinzu kommt, dass jene „Päpste“ Orientierung geben wollen. Dabei vergessen sie einen entscheidenen Schritt. Bevor sie überhaupt als Straßenpolizist im Krimi-Dschungel auftreten können, müssten sie erst einmal als verständliche, nachvollziehbare und kluge MIttler auftreten. Kinder müssen vom Schulpolizsten auch zunächst erklärt bekommen, was bestimmte Verkehrsschilder bedeuten. Erst dann ist sinnvoll, solche Wegweise aufzustellen. Doch Literaturvermittlung wird weitgehend der niedrigschwelligen Verlags-PR überlassen und hinterher gejammert, dass das alles so albern und dumm sei, dass kaum jemand sich für „gute“ „Kriminalliteratur“ interessiert. Wer seine hermeneutischen Kreise mit Stacheldraht abzirkelt, der darf sich nicht wundern, wenn er dort nicht gestört und nicht wahrgenommen wird.

    3. Als ich las, dass der „Diskurs“ jetzt im Netz stattfindet, musste ich laut lachen (und ich habe momentan wenig, worüber ich lachen kann). Die Leute, die bis heute nicht begriffen haben, wie das Netz tickt, die glauben, dass Twitter was ganz albernes ist und WordPress für eine Krankheit halten, glauben allen Ernstes, hier eine Deutungshoheit zu haben. Womit und worüber? In weichgespülten Artikeln über amazon? Das ist jetzt ja Krimidiskurs. Ich schmeiß mich weg.

    Schönen Sonntag noch
    Ludger

  2. Ria said

    Beim Berliner ‚Krimisymposium‘ wurde ausschweifend und penetrant davon geredet, dass man mehr gute Krimis und mehr gute Autorinnen brauche, ohne überhaupt ein paar simple Fragen dazu beantworten zu können. Z. B., was sind gute Krimis und was gute AutorInnen, wieso brauchen wir mehr von beidem. Woher wollen sie wissen, dass es sie nicht gibt? Die Granden der Kritik machen es sich ziemlich einfach. Ihren beschränken Fokus halten sie für Vorauswahl, ihre Listen für den notwendigen Ritterschlag.
    Ich meine, sie sollten die Augen öffnen, sich gründlicher umschauen, sich mal bücken und nicht nur dort suchen, wo die Straßenlaterne steht. Eben raus aus der Gemeinschaftssuhle.

  3. Dieter Paul Rudolph said

    Liebe Ria, lieber Ludger,
    kein Zweifel: Es fehlt eine wie auch immer geartete Ästhetik, um die Frage nach „dem Guten“ (und dem „Schlechten“) zwar nicht zu klären, aber überhaupt einmal auf solide Füße zu stellen. Was wir KritikerInnen veranstalten, ist bestenfalls das, was ich einmal die Wiedergabe von begründetem Geschmack genannt habe. Ich sage euch, wie ich ein Buch finde und warum – und ihr müsst entscheiden, ob ich es lesen wollt oder nicht.
    Das ist natürlich wichtig, aber nicht genug. Wenn ich ein Buch lese, fällt es ja automatisch in mein persönliches literarisches Koordinatensystem, es ordnet sich in meine Lebenslektüre ein, ich vergleiche es auf vielfältige Weise mit dem, was ich bisher gelesen habe. Darüber möchte ich in Zukunft schreiben. Nicht zu sehr ÜBER ein Buch, sondern was es in mir in Gang gesetzt hat, im Positiven wie im Negativen. Vielleicht ein großes Wort, abe ich möchte „die“ Kriminalliteratur (und vielleicht noch ein bisschen mehr) immer mitdenken. Das geht dann schon ein Stück weg von der üblichen Rezension, das fordert auch die LeserInnen mehr.
    Jedenfalls finde ich es spannender, eine solche Form zu erarbeiten (man nimmt sich das nämlich nicht vor, sondern muss es erst schaffen!), als das ewig gleiche Prozedere des Gut / Schlecht weiter zu betreiben.

  4. Ria schrieb: >… sie sollten die Augen öffnen, sich gründlicher umschauen, sich mal bücken und nicht nur dort suchen, wo die Straßenlaterne steht. Eben raus aus der Gemeinschaftssuhle.<

    Ganz ohne Bosheit gefragt: Wo wären denn die Ecken und Winkel und eventuell ganzen Etagen, die dem Blick der deutschen Krimikritik entgehen? Ich kenne nur ein, zwei, über deren Darstellbarkeit ich noch grüble, weil die Texte von vornherein so wenige Leute interessieren würden…

    • Dieter Paul Rudolph said

      Das ist wie die Sache mit den Dunkelziffern. Die heißen so, weil man sie nicht kennt. Tatsächlich fallen mir auch wenig Leute ein, die ich als Eckensteher bezeichnen könnte. Die Frage ist nur: Wo suchen wir eigentlich? Meine persönliche Suche bei den E-Book-Selbstverlegern ist bisher einigermaßen ernüchternd ausgefallen. Aber das mag einfach auch Pech sein. Nur ist genau dieses Suchen etwas, das zur Arbeitsbeschreibung eines Kritikers dazugehört. Also: keep on…

    • Ria said

      Jeden Monat erscheinen bis zu 200 Krimis. Mein Eindruck ist, dass immer die selben 20 unters Kritikerfallbeil kommen, die dann auch von allen unter die Lupe genommen werden. Und woher will man von vorneherein wissen, was Leute interessiert? Es macht auch durchaus Sinn, wenn Krimis besprochen werden, die bei der Kritik nicht gut ankommen. Mir als Krimifan hilft es überhaupt nicht, wenn an 10 verschiedenen Stellen Sara Grans neuer Krimi besprochen wird. (Der übrigens beim Publikum viel schlechter ankommt, als bei der Kritik)

  5. peterjkraus said

    Recht habt ihr alle. Wie könnte es anders sein.
    Ich verstehe dich recht gut, Dieter – es ist oft mühevoll, Meinung zu äußern, vor allem, wenn man darauf bedacht ist, nicht den gleichen Mist zu schreiben, den Päpste und sonstige Selbstverherrlicher von sich geben. Also lieber über Bücher sprechen, als sie besprechen (ein Wort, übrigens, das unterschwellig an Zauberkram erinnert, wohl nicht ganz zufällig).
    Seit Jahren lese ich nun bewußt Krimis, weil das so ist wie beim Autorennen — wer in der glücklichen Lage ist,. im Rückspiegel zu erkennen, was läuft, tut gut daran, recht oft in den Rückspiegel zu schauen. Und ich habe einige sagenhafte Leute durch ihre Bücher kennengelernt. Doch leider sind – ganz besonders in den TopTenListen – viele Enttäuschungen dabei. Ich habe so meine Vorlieben und Abneigungen, wie jeder Leser, und ich stelle zu oft fest, dass meine Vorstellungen sich nicht mit denen der Kritiker decken.
    Wir leben in einer überaus komplizierten Welt. Undurchsichtige Politik, eine Jubelperserpresse, Mißachtung der Mitmenschen, Extremkapitalismus — bei euch und ganz besonders bei uns Große Teile meiner amerikanischen Nachbarn haben einfach aufgegeben, kümmern sich nicht ums Tägliche, sondern lassen Gott in all ihren Erscheinungen freie Hand — bei rund siebentausend eigenständigen Religionen (oder Kulten) in einem mittelgroßen Land kann das schon zu Verwirrung führen. Wir sind über zwanzig junge Opfer eines Verrückten monatelang entsetzt und finden nichts dabei, wenn auf der Titelseite der New York Times in Foto von sieben toten afghanischen Kindern erscheint, Opfer eines wildgewordenen Präsidenten, den die Mehrheit zweimal ins Amt hob. Drohnenmord als Außenpolitik. Man stelle sich das mal vor. Die Verrohung nicht nur der Gesellschaft, in der ich lebe, sondern eine weltumgreifende Verrohung.
    Darüber schreibe ich am liebsten, das lese ich bevorzugt. Mein Ding, halt. Ich wähle meine Themen bewußt, ich schreibe, was ich davon halte.
    Wer beschreibt, was ihn bewegt, wird seine Leser finden. Wer ehrlich schreibt, der findet Leser, die seine Ehrlichkeit schätzen.
    Und mit viel Glück findet er Kritiker, die das zu würdigen wissen.

  6. Ria said

    Ja, Peter, das ist es: Nicht wegschauen, sondern schreiben, um nicht an dieser Welt zu verzweifeln.

  7. Ria schrieb: >Mein Eindruck ist, dass immer die selben 20 unters Kritikerfallbeil kommen, die dann auch von allen unter die Lupe genommen werden. Und woher will man von vorneherein wissen, was Leute interessiert? Es macht auch durchaus Sinn, wenn Krimis besprochen werden, die bei der Kritik nicht gut ankommen.Mir als Krimifan hilft es überhaupt nicht, wenn an 10 verschiedenen Stellen Sara Grans neuer Krimi besprochen wird. (Der übrigens beim Publikum viel schlechter ankommt, als bei der Kritik)<

    Letzteres trifft auf alle Kulturbereiche zu: Kritikerlieblinge sind selten auch Publikumslieblinge. Die Rezension von Gran an 10 verschiedenen Stellen als lästig und redundant zu empfinden, ist ein Luxusproblem derer, die querbeet Kritiken lesen. Viele Nutzer sind aber immer noch an wenige Medien ihres Vertrauens gebunden oder erwischen qua Lebensrhythmus eher zufällig dieses oder jenes Format (Kultursendungen als drive time radio etc.). Es scheint mir also nicht ganz sinnlos, in Medium C zu besprechen, was in Medium A und B schon durch ist.

  8. Ria said

    Luxusproblem also. Hm, das mag so sein, denn wenn ich schon ein Problem habe, dann bitte Luxus.
    Aber mal ernsthaft: Auf der einen Seite werden bessere Krimis und bessere deutsche AutorInnen gewünscht und verlangt, aber Feedback wird ihnen nicht gewährt. Viele existieren in der professionellen Kritik nicht. Ich behaupte, ohne dieses Feedback wird sich wenig bewegen. Die Verlage verkaufen, was ihnen marktgängig erscheint.
    Qualität, nun ja. Letzten Endes gehen betriebswirtschaftliche Überlegungen vor. Von dort wird also nur wenig kommen.
    Der wenige Platz, der den Krimis im Kulturbereich eingeräumt wird, wird verstopft von den Mehrfachbesprechungen der hippen Werke. Ich sage nicht, es sei völlig sinnlos, dass dies so sei. Aber mein Eindruck bleibt, man müsse besprechen, was in anderen Medien auch besprochen wurde. Und das nicht nur, weil User erreicht werden sollen, sondern auch, damit nicht der Vorwurf aufkommt, man habe was Wichtiges verpasst. Aber wer legt die ‚Wichtigkeit‘ fest?
    Schließlich, wer Nuggets sucht, kämpft sich durch Abraumhalden. (Ich gebe zu: Grans Neuer steht auf meiner ‚unbedingt lesen‘ Liste)

  9. Dieter Paul Rudolph said

    Wir sollten uns vielleicht abgewöhnen, von DEM Krimimarkt zu reden. So wenig wie man Rezensionen „gerecht“ verteilen kann, so wenig gibt es überhaupt ein System, diesen Markt in irgendeine Richtung zu lenken. Weil es inzwischen viele davon gibt, die häufig nichts mehr miteinander zu tun haben. Wer von den KrimikritikerInnen kennt z.B. Nika Lubitsch? Das ist die Frau, die mit ihren E-Book-Krimis bei Amazon „Shades of Grey“ auf die Plätze verwies. Rezensionen in den Feuilletons? Hab keine gesehen. Es gibt einen Massenmarkt, dessen Kundschaft möglichst schnell und ohne das Buch aus der Hand zu legen Krimis konsumieren möchte, an die kein Kritiker herankommt und die das Zentrum jeder Überlegung von Groß- und Mittelverlagen sind. Es gibt die kleinen Verlage, die in den meisten Buchhandlungen nicht existieren, deren Leserschaft sich durchaus via Internet informiert und gezielt nach Rezensionen sucht (ein Phänomen, das ich seit Jahren auf meinen diversen Blogs beobachte). Und es gibt neue Publikationsformen, sowohl E-Book- als auch printmäßig, die völlig unbeleckt von Kritik entstehen und existieren. Die Bücher, die ich z.B. auf diese Art veröffentliche, werden nicht in der Regel nicht besprochen. Die vom Verlag hergestellten und in Dutzenden von Rezensionsexemplaren in die Welt gestreuten ja durchaus. Und ich bin wahrhaft nicht der einzige, dem es so ergeht. Wo finden sich etwa die euphorischen Besprechungen von „Aasgeier“ von Peter J. Kraus? „Nur“ als E-Book erhältlich und somit nicht auf dem Schirm der Kritik. Ja, klar, es gibt zuviele Bücher, zuviele Krimis, ein Rezensent muss beliefert werden, um etwas wahrzunehmen. Nur: Dann darf man sich nicht wundern, wenn einige Strömungen auch haarscharf an der Kritik vorbeilaufen und man Entwicklungen hinterherhechelt resp. erst dann registriert, wenn sie längst abgeschlossen sind. Ganz offen: Ich plädiere für Kooperationen von Autorinnen und Autoren, freundschaftliche, nicht profitorientierte Zusammenschlüsse, bei denen man sich gegenseitig hilft und pusht. Das ist nicht gegen Verlage oder die Kritik oder gar die LeserInnen gerichtet, sondern einmal eine natürliche Reaktion auf die Möglichkeiten und zum zweiten eine Chance, sich jenseits der Verkehrswege durch die literarische Landschaft zu bewegen. Wir werden sehen, was daraus wird.

  10. Ria said

    Lieber dpr, hoffentlich hast du recht, dass es richtig strömt im Independentbereich. Von den meisten Verlagen kann man nicht mehr viel erwarten. Wenn die Rezensenten warten, dass man ihnen die Publikationen aufgedrängt, werden sie irgendwann am Bahnsteig stehen und sich fragen, warum der Schnellzug nicht hält. Das wünsche ich mir zum nächsten Geburtstag.

  11. peterjkraus said

    Liebe Ria, von den meisten Verlagen konnte man noch nie viel erwarten. Ganz entgegen jeder gelehrten Marketingstrategie geben sie ihre Werbeeuros/dollars für die Bücher aus, die eh im Handel einen sichtbaren Platz haben (meist wegen guter Besprechungen, die vom Schwarzwälder Boten bis hin zum TV-Kritiker reichen). Von der Gesamtscheiße, die gegen die Wand geworfen wird, gilt nur, was kleben bleibt. Insofern sind mir Verlage von jeher ein Rätsel.

    dpr trifft mit seiner Anregung ins Schwarze, freundschaftliche Kooperation auszuweiten. Denn viele unserer veröffentlichten Anstrengungen sind durchaus konkurrenzfähig — die Hürde liegt in der Bekanntmachung.

    Als Wahlkalifornier weiß ich, dass Karma weiterhilft.

  12. Ria said

    ‚Von der Gesamtscheiße, die gegen die Wand geworfen wird, gilt nur, was kleben bleibt‘

    Karma und Humor, wie mir scheint. :-))

  13. Kle said

    Besten Dank für die Rezensionen, die mich weitergebracht, auf Autoren hingewiesen und mein Krimi-Verständnis verändert haben. Meist habe ich mich festgelesen, wenn ich nur kurz reinschauen wollte.

  14. kitchenaid said

    Pretty! This has been an extremely wonderful post.
    Thanks for supplying this information.

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