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Ria Klug: Lausige Mauscheleien

Posted by Dieter Paul Rudolph - 11. März 2013

klugAlles hat damit begonnen, dass Cornelius Artjens eigentlich Nel Arta sein möchte. Eine Frau, die in einem Männerkörper steckt und diesen endlich loswerden will, nach Brasilien reist, dort aber von einer Unannehmlichkeit in die nächste gerät, zurückkommt – und gleich in der Klapsmühle landet. Immer geht es um das, was man „Machenschaften“ nennt, Mauscheleien im Krankenhauswesen, blanke Geld- und Machtgier. Nel kassiert ihre blauen Flecken, aber sie rappelt sich auf und findet sogar einen passablen Job. Für die Medizinzeitschrift Prosana arbeitet sie journalistisch, eine Pressekonferenz steht an, auf der ein Big Player der Branche die Übernahme eines Berliner Großklinikums erläutern möchte, die – natürlich – mit „personellen Optimierungen“, sprich Entlassungen und weniger Lohn einhergehen soll. Für Nels Kollegen Nick wird es der letzte Job, kurz darauf ist er tot. Die Spur führt in besagte Klinik und zu weiteren, ziemlich lausigen Mauscheleien…

Es ist der dritte Fall für Nel, aber eigentlich ist es ja nur ein einziger. Und so verwundert es auch nicht, dass „die brasilianische Episode“ aus dem ersten Buch sich wieder in den Vordergrund schiebt. Mauscheleien sind eben global.

Aber verlassen wir die inhaltliche Ebene. Was die geneigte Leserschaft dort erwartet, ist schnörkellose Handlung, ein rasanter Großstadtroman mit entsprechendem (nicht selten Stamm-) Personal und all den Themen, die so plakativ wie Hundescheiße auf Berlins Straßen liegen, von prekären Beschäftigungsverhältnissen bis zu kriminellem Organhandel. Das liest sich flüssig, ist erfreulicherweise frei von den üblichen Klischees, kurz: So unterhaltsam, wie diese dubiose Welt nur sein kann.

Das Pfund, mit dem Ria Klug indes wuchert, heißt Nel Arta. Die ist alles andere als eine bedächtige Protagonistin. Geduld ist ihre Stärke nicht, Diplomatie noch weniger, bei allem Taff-Sein lässt sich nicht verbergen, dass sie auf einer Strecke unterwegs ist, die weniger begabte AutorInnen wohl als „emotionale Achterbahn“ beschreiben würden.

Damit ist sie nicht allein. Selbst ihre Mutter, eigentlich eine harmlose ländliche Witwe, gerät in eine „Sinnkrise“ und dreht durch. Beatles, Aufputschmittel und Männerstrip – wenn es dem Ende zueilt, nimmt man mit, was man kriegen kann. Das alles kommt ziemlich zwanglos daher, nicht wie aus einem Katalog abzuarbeitender Themen.

Einen Nachteil hat die Nel-Arta-Saga allerdings: Wer die beiden vorausgegangenen Teile – hier vor allem den ersten – nicht kennt, hat gelegentlich Mühe, die Zusammenhänge zu begreifen. Ein Manko, das durch den Vorteil einer großangelegten Handlung zwar ausgeglichen wird, aber dennoch in Zukunft für größere Verständnisprobleme sorgen könnte. Das Panoptikum der Figuren erweitert sich, was nicht schlimm ist, da die Autorin schön mit den unterschiedlichen Charakterfarben ihres Personals zu arbeiten versteht. Den Punkt, an dem das Ganze überhitzt und überdreht, sollte die Autorin indes nicht verpassen.

dpr

Ria Klug: Lausige Mauscheleien. fhl Verlag 2013. 221 Seiten. 12 €

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