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Domestiken III, bald

Posted by Dieter Paul Rudolph - 28. Februar 2013

Noch einmal durchs Korrektorat, dann wird der dritte Teil von „Domestiken“, dem voluminösen Fortsetzungskrimi, als E-Book erhältlich sein. Und wenn dann in ca. zwei Monaten auch der vierte Teil fertig ist, gibt es die Teile III und IV ebenso gedruckt wie jetzt schon die Teile I und II. Okay, das interessiert  niemanden, also haken wir das hier als Chronistenpflicht ab. Und, falls es doch jemanden interessiert, das ist es, was bisher geschah und womit der dritte Teil anhebt.

Was bisher geschah…

 

Was bisher geschah? Das wissen SIE, aber das wissen nicht die Personen dieses Romans. Mathias Lanhoff weiß nicht, dass er eine Tochter hat, Herr Raabe weiß nicht, ob seine Tochter noch lebt. Sie ist nämlich gerade entführt worden, damit endete Folge zwei, Lanhoff bekam eins auf die Nase, Cornelia Bahlke, die Frau, mit der er einst in einem Bunker das Kind zeugte, bekam eins auf die Mütze, denn eine Frau in einem schwarz/weißen Kleid hat sie ganz schön veräppelt. Und eine junge Türkin hatte ein traumatisches Erlebnis. Und eine andere Frau wurde aus Versehen niedergestochen. Und daheim bei den Raabes werden sie jetzt alle sitzen und warten, was geschehen wird.

Was geschehen wird, das weiß noch niemand, obwohl alles beschlossene Sache ist, Schicksal. Nicht einmal der Autor weiß es, aber er weiß vielleicht mehr als seine Leser, aber ganz sicher ist das nicht. Die Figuren sind Spielkarten. Welche Rollen ihnen im Spiel selbst zugeeignet sein wird, entscheiden nicht nur ihre Farbe und ihr Wert. Wichtiger noch ist die Dramaturgie des Spiels, das Verhalten der Spieler, ob sie die Karten beherrschen oder ob die Karten sie beherrschen, ob sie bluffen können oder von ihren Gegenspielern ausgeblufft werden.

Aber welche Farbe, welchen Wert haben die Figuren? Wer ist gut, wer böse? Dies wäre ein schlechter Roman, wenn das klar werden würde. Ja, wir spielen blind. Wir wissen nicht, welche Farbe, welchen Wert die Karten in unserer Hand haben, die Karten, auf denen „Lanhoff“ oder „Bahlke“ oder „Raabe“ oder „Katrina“ steht. Und erst das Personal, das jeweils nur in einer Folge lebt, die Domestiken, denen etwas widerfährt und die den Text traumatisiert verlassen oder tot. Tot? Es wäre an der Zeit, jemanden sterben zu lassen. Noch ist hier niemand gestorben, die Leser, die Leserinnen werden bereits ungeduldig. Es muss jemand sterben, eine Nebenfigur, ein Lakai, eine Karte ohne Farbe und Wert.

Der Autor geht durch die Stadt und sieht sich um. Er sieht Menschen ins Gesicht und überlegt, ob sie Staffage sein könnten, Domestiken, um die es in dramaturgischer Sicht nicht schade wäre, wenn sie stürben, ja, die nur deshalb Figur werden, weil sie dazu ausersehen sind zu sterben. Der Autor streift durch Kaufhäuser und Boutiquen, er geht an auf dem Boden vor Einkaufspassagen sitzenden Bettlern vorbei, er hört sich Straßenmusikanten an, geht in Cafés und lässt sich bedienen, sieht einen rotuniformierten Mann aus einem Lieferwagen steigen, mit einem Päckchen unter dem Arm und der Hoffnung in den Augen, der Empfänger der Sendung möge bitte zu Hause sein, denn der Mann mit dem Päckchen unter dem Arm wird nicht dafür bezahlt, noch einmal zu kommen, wenn er den Empfänger beim ersten Mal nicht antrifft.

Bist du die Karte ohne Wert? Nimmst du es hin, wenn ich dir Leid zufüge? Der Autor geht weiter. Er rastet an einer Würstchenbude, er sieht dem Verkäufer zu, wie er die Würste wendet, wie er eine mit der Zange aufnimmt, zwischen zwei Brötchenhälften klemmt, dem Autor reicht, der ihm seinerseits das Geld reicht. Und der Autor weiß sofort: Du wirst es sein. Du wirst sterben.

Er beißt in die Wurst und geht weiter. Die Wurst schmeckt gut.

 

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2 Antworten to “Domestiken III, bald”

  1. Pferdewurst said

    Jaaa! Der Autor ist schon ein armes Würstchen.;-) Obschon er wohl alle Asse in der Hand hält…
    Aber wer bitteschön, denkt an die bereits von langem Warten verschrumpelten Leserwürstchen?
    Nun, man hält sich knapp mit dem einen oder anderen Schund über Wasser. 🙂

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