Krimikultur: Archiv

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Optimismus, liebe Leserschaft!

Posted by Dieter Paul Rudolph - 11. Februar 2013

Du meckerst zu viel. Die Leute halten dich für einen unzufriedenen Eigenbrödler, wenn nicht gar für etwas noch Schlimmeres. Das muss sich ändern. Die Welt ist schön. Die Krimiwelt ist schön. Es gibt eine Menge Positives, gute Romane werden geschrieben, spannende Entwicklungen kündigen sich an. Darüber muss man berichten, nicht nur an Karneval!

Schön, also fangen wir an. Was gibt es Schönes zu konstatieren? Dass es eine Reihe meist kleinerer Verlage gibt, die sich unverdrossen gegen die Gleichschaltung des Genres stemmen. Gut, es besteht die Gefahr, dass diese Gleichschaltung die kleinen Verlage wegdrückt, sie stehen eh von Natur aus am Abgrund und man kennt das ja: Du stehst am Abgrund und machst einen Schritt in die Zukunft. Aber da gibt es noch etwas anderes, das vielleicht spannender ist: Eine Krimiwelt ganz ohne Verlage. Stellen Sie sich das mal vor: AutorInnen schließen sich zusammen und stemmen (schon wieder!) eine kleine, feine Krimireihe, für die sich kein Verlag, nicht einmal der idealistischste, jemals hergeben würde. Sie nutzen dazu ausgerechnet die Medien „der anderen“, der Gleichschalter. Das ist wahrhaft neu, das öffnet die Decke des verqualmten Zimmers und lässt frische Luft hineinströmen. Und das alles ohne ein anderes Kapital als das, was man in der Birne hat! Paradiesisch! Haben wir früher nicht alle davon geträumt? Wir sind frei, wir sind gleich, wir stellen uns dem Wettbewerb, wir werden am Ende siegen.

Zu optimistisch jetzt? Hm, ja, vielleicht. Aber ohne Optimismus geht gar nichts. Mit dem Festhalten an alten Gewohnheiten geht nur eins: nämlich alles seinen immergleichen Gang und den Bach runter. Einwand: Das Genre ist doch ausdifferenziert genug. Wer gut ist, findet einen Verlag. Mag sein. Ich habe überhaupt nichts gegen Verlage, ich wünsche ihnen ein langes Leben. Aber: Es geht manchmal, in bestimmten Situationen auch ohne, weil es ohne sie gehen muss. Weil ein Verlag Beschränkungen unterliegt, auf die Autoren nur pfeifen können.

Doch, zu optimistisch. Aber nur, wenn man zu große Erwartungen hat. Wir müssen uns auch von den Vorgaben der Verlage lösen, von Break-Even-Points, Rentabilitätsberechnungen, überhaupt: Kalkulationen. Wir müssen die Masse durch Klasse ersetzen, wir müssen… gut, das ist jetzt zu viel MÜSSEN. Wir KÖNNEN!

Und wir können scheitern. Ich denke immer an die späten 70er Jahre, als etwas entstand, das man „Neue Deutsche Welle“ nannte. Das waren Musiker, die daheim ihre absonderlichen Stücke aufnahmen und zumeist via Kassetten (googeln Sie mal, was das war!) verbreiteten. Lachhaft, sagte die Industrie, keine Konkurrenz, Anfänger, Dilettanten. Und dann hatten die Dilettanten Erfolg und die Industrie lachte nicht mehr, d.h. sie lachte bald doch, weil sie nämlich das Label „Neue Deutsche Welle“ klaute und auf die alten Schlagerlemuren draufpappte, die sich neue Kleider anzogen, aber doch die alten Lemuren blieben. Und fortan versteht man unter „Neue Deutsche Welle“ nur noch die Fälschung, nicht mehr das Original. So kann’s gehen.

Aber nein, wir sind ja optimistisch. Wir vertrauen auf zweierlei: Auf genügend Kraft und Spaß da draußen bei den KollegInnen und ebendieses auch bei den LeserInnen. Nicht bei allen. Bei einer Minderheit. Das Erhebende ist nämlich: Man kann jetzt auch vernünftige Bücher für Minderheiten drucken, ohne nach dem zweiten Band in die Insolvenz abzurauschen. Und vielleicht machen wir tatsächlich etwas daraus. Jedenfalls strengen wir uns an.

 

dpr

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