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E-Book-Check. Vera Jorick: Muttermörderin

Posted by Dieter Paul Rudolph - 24. Januar 2013

Das Buch: Vera Jorick: Muttermörder. ca. 160 Seiten. 2,99 €

Die Autorin: Mitte 30, geboren in Hamm /Westfalen, „Muttermörder“ ist ihr erster Roman

Der Rang: Zum Zeitpunkt dieses Beitrags Nr. 1 im Amazon-Kindle-Shop „Gratis“, Nr. 1 bei „Krimis und Thriller“, gratis. Inzwischen wieder zum normalen Verkaufspreis erhältlich

Der Text. Manchmal hat man halt Glück. Oder erinnert sich an die alte Lebensweisheit, dass man nicht bei den Bestsellern schauen darf, wenn man einen guten Text entdecken möchte. „Muttermörderin“ von Vera Jorick ist so einer. Angeboten in einer „Amazon-Gratisaktion“, dort ganz oben platziert, was aber nicht viel zu sagen hat. Mehr sagt der Text selbst, in den man sich hineinliest, eine in unspektakulären Worten erzählte von Geschichte, eine Frau, die zehn Jahre lang wegen des Mordes an ihrer Mutter im Gefängnis verbracht hat, kehrt in ihr Elternhaus – in dem inzwischen niemand mehr lebt – zurück.

Der Roman wechselt kapitelweise zwischen der Ich-Perspektive der „Muttermörderin“ und den Interview-Aussagen von Personen, die sie kennen und einschätzen sollen. Und spätestens wenn man zwei, drei dieser „Interviews“ gelesen hat, weiß man, dass die Autorin schreiben kann. Man erfährt nicht viel „Faktisches“ von diesen Personen, doch die Art, wie sie sprechen (also wie die Autorin es notiert), verrät alles über sie. Sehr gut. Und noch etwas anderes passiert: Diese „Interviews“, die eigentlich dazu dienen sollen, die Person der Mörderin (sie heißt Marietta Dörner) zu fassen, bewirken das genaue Gegenteil: Sie machen die Person unkenntlich, in sich selbst kontrovers.

Marietta Dörner versucht sich an das „normale Leben“ zu gewöhnen, doch irgendjemand hat etwas dagegen, wahrscheinlich ihr Bruder Armin, ein Jungmediziner, dessen Aussage maßgeblich daran beteiligt war, Marietta überhaupt erst ins Gefängnis zu bringen. Die jüngere Schwester der beiden, Elena, ist zudem seit zwei Jahren spurlos verschwunden. In der jungen Katharina findet Marietta eine Freundin und Helferin, als sie versucht, das Schicksal ihrer Schwester zu recherchieren.

Das zum Inhalt. Hier kann jemand schreiben und eine Geschichte erzählen, auch formal. Denn diese „Interviews“ haben es in sich, das zeigt sich im Verlauf der Handlung und kulminiert schließlich in einem überraschenden Ende. Man liest die etwa 150 Seiten am Stück (ich habe mir das Buch vorgestern Abend in der „Gratisaktion“ heruntergeladen, nachdem mich die Leseprobe neugierig gemacht hatte), die Geschichte ist interessant, der Schluss hätte von einer „erfahreneren“ Autorin vielleicht etwas hinausgezögert werden können, aber nein, das ist keine wirkliche Schwäche.

Über die Autorin habe ich nicht viel gefunden, möchte aber in Zukunft gerne mehr von hier hören / lesen. Auch, welchen Verlagen sie das Manuskript von „Muttermörderin“ angeboten hat, damit sie es ablehnen konnten. Das vermute ich nämlich.

 

Fazit: So soll es sein. Ein inhaltlich und formal interessanter Kriminalroman, sauber konstruiert, in einer dem Gegenstand angemessenen Sprache. Besonders schön: In den Interviews passt sich die Sprache den sprechenden Personen an. So etwas nennt man, glaube ich, Literatur. Ach ja, ich halte den Text durchaus im positivsten Sinne für „noir“.

 

Ausblick: Nach drei Autorinnen nehme ich mich fürs nächste Mal einen Autor vor. Sonst werd ich hier noch wegen Sexismus belangt.

http://www.amazon.de/Mutterm%C3%B6rderin-ebook/dp/B00B3V76NE/ref=zg_bstf_530886031_1

dpr

 

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4 Antworten to “E-Book-Check. Vera Jorick: Muttermörderin”

  1. Ria Klug said

    Aber lieber dpr, bei gleicher Eignung werden Frauen und Behinderte bevorzugt.

  2. […] ich will es jetzt wissen. Von alle den als E-Book selbstverlegten Krimis ist mir bisher –> nur einer in wirklich guter Erinnerung geblieben. Sollte es das schon gewesen sein? Überzeugt mich vom Gegenteil, lieber […]

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