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E-Book-Check. Moe Teratos: Das Mordhaus

Posted by Dieter Paul Rudolph - 16. Januar 2013

Der Blogger testet E-Book-Krimis. Er beschränkt sich auf die Leseprobe bei Amazon, immerhin 10% des Gesamttextes, und überlegt sich, ob er das Buch weiterlesen würde.

Das Buch: Moe Teratos, Das Mordhaus. 176 Seiten (ungefähre Angabe), 0,99 €

Die Autorin: Anfang 30, Konditorin, Selbstverlegerin

Der Rang: Zum Zeitpunkt dieses Beitrags Nr. 1 im Amazon-Kindle-Shop

Der Text: Oh ja, es beginnt so, wie viele „Thriller“ beginnen. Natürlich mit einem „Prolog“, der uns eine hilflose Frau in einem Verlies vorsetzt, die typische „Wo bin ich hier?“-Situation, die den geneigten Leser gleich „packen“ möchte. Sprachlich von jener Adjektiv-Adverb-Bild-Verliebtheit, die nicht nur für „Indies“ typisch zu sein scheint, sondern inzwischen eine ganze Heerschar von Genrearbeitern ernährt. „Die Tür quietschte gnadenlos“, „Ihr Nacken knackte, die Zähne klapperten dazu im Takt.“, „Ein Messer an seinem Gürtel strahlte ihr blitzend entgegen.“

Der Entführer zwingt die Frau, sich auszuziehen. Man erfährt, dass auch ihre kleine Tochter entführt wurde. Nach einigem Hickhack schlägt der Entführer gnadenlos zu und schneidet der Frau die Kehle durch. „Das Blut verließ in dicken Fäden ihren Leib.“

Erstes Kapitel: Wir lernen den ermittelnden Polizisten kennen. Er hat Albträume und eine junge Kollegin. Der Chef bittet beide zu sich und setzt sie auf einen neuen Fall an. Er weiß wohl, dass der Ermittler – er hört auf den Namen Ratz – Ruhe bräuchte. Aber: „Ihr Psychiater hat mir versichert, dass Sie zu hundert Prozent einsatzfähig sind.“

Der betreffende Fall ist natürlich der der entführten und ermordeten Frau. Wir erfahren, dass auch die Tochter ermordet wurde. Ihr Herz fehlt. Beide Opfer sind kahlrasiert. Ermittler Ratz fällt in Ohnmacht, Ende Leseprobe.

Das Fazit: Nö. Sprachlich unbedarft, kein Satz traut der Phantasie der Leser, ein Text im 0815-Erzählstil, wie er nicht nur „Indies“ eigen ist. Inhaltlich? Schon in der Leseprobe knallen einem die Klischees entgegen. Brutalität, Ermittler mit „Abgründen“, Killer, der kleinen Mädchen die Herzen rausschneidet. Ein Buch für Leser, deren Unterhaltungsbedürfnis nur noch mit gröbsten Mitteln befriedigt werden kann. Aber: nur 99 Cent. Da greift man zu. Ich nicht. Keine Hoffnung.

http://www.amazon.de/Das-Mordhaus-ebook/dp/B00A19QNA6/ref=cm_cr_pr_product_top

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3 Antworten to “E-Book-Check. Moe Teratos: Das Mordhaus”

  1. Ria Klug said

    Wider das Prologunwesen sollte eine flammende Schrift verfasst werden, welche die Welt erzittern lässt, dass es blitzt und kracht!
    Na wenigstens ein paar der Apologeten dieser literarischen Kühlerdichtmasse.
    Das wünsche ich mir …

    • Dieter Paul Rudolph said

      Man sollte den Leuten mal erzählen, was ein Prolog ist und warum Goethe seinen Faust mit einem solchen beginnen kann, jeder dahergelaufene Krimiautor aber nicht, wenn es lediglich um das erste Kapitel handelt.

      • Ria Klug said

        Schlimm sind doch die Prologe, die der Geschichte vorangestellt werden, wenn diese langweilig beginnt. Das muss man sich durch einen Sprachgrieß fressen, der anscheinend ohne Bezug zum weiteren Inhalt steht. Manchmal ist einem auch schon schlecht, bevor das Tagesgericht, die Wassersuppe mit Schuss, serviert wird.
        Beginnt eine Geschichte langweilig, schreibt man gefälligst keinen Prolog dazu, sondern schreibt um. Kreuzdonner!

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