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James Crumley (1939 – 2008). Ein Nachruf von Jochen König

Posted by Dieter Paul Rudolph - 4. August 2009

“People often suggest that life should be a learning experience. Perhaps something like a nice, small Southern liberal arts, with a final exam, which if you pass, lets you drift softly into a pleasant eternity. If life is like college, I’ve screwed up again; I missed the assignment.” James Crumley, im Vorwort der Geezer noir anthology, „Damn Near Dead“

Am 17.09.2008 starb nach langer Krankheit mit James Crumley einer der wichtigsten Autoren (nicht  nur) von Privatdetektivromanen des ausgehenden 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts. „Leider veröffentlicht er zu wenig, um wirklich der Superstar zu sein, der er sein könnte: nur sieben Romane in 33 Jahren. Aber die sind von solcher Qualität, dass man ihm das verzeiht.“ (www.mordlust.de/biographie_james_crumley.php) Seine Bücher um die beiden Protagonisten C.W. Sughrue und Milo Milodragovitch – die wie in Bordersnakes auch schon mal zusammen auftraten – bieten mindestens kleine Meisterwerke und mit den Romanen The Last Good Kiss und Dancing Bear zwei große. Wobei das im Auge des Betrachters liegt, denn seine Meriten hat jedes Buch (wobei das hochkomplexe The Final Country („Land der Lügen“) vermutlich sein schwächstes Werk ist).

Crumley steht sowohl in der Tradition Raymond Chandlers (wobei The Final Country auch wie eine Hommage an Jim Thompson gelesen werden kann), seine Vergleichspunkte finden sich u.a. auch zu Jack Kerouac, William S. Burroughs, Hunter S. Thompson oder Malcolm Lowry. Nach eigenem Bekunden veränderte der Perfektionist Crumley das erste Kapitel seines The Last Good Kiss satte 18-mal, bevor es seinen Gefallen fand.  Egal, ob jede Änderung nötig gewesen wäre, einen stimmungsvolleren Roman findet man selten. Crumleys Metier sind nicht die Straßenschluchten anonymer Großstädte. Seine Figuren begegnen sich dort auf unausweichliche Weise, wo sich Skorpion und Klapperschlange „Gute Nacht“ sagen. Seine Bücher sind fiebrige Chroniken einer drogengeschwängerten Zwischenwelt, in der die Grenzen zwischen Gut und Böse (eigentlich alle Grenzen) zerfließen und nur seine Protagonisten einsame, dahintreibende Bezugspunkte sind; funkelnde Irrlichter in einer Welt der Düsternis, immer mit einem Fuß im Mythologischen.

Sechs seiner sieben Romane sind in Deutschland von verschiedenen Verlagen (Goldmann, Piper und Shayol) verlegt worden, wobei sich vor allem Goldmann bemühte, Crumley als vorgeblichen Krawallautor ins Rennen zu schicken. So wurde sein fabulöser „Dancing Bear“  gleich zweimal vermarktet, einmal wortgetreu als „Der tanzende Bär“ und zum Zweiten plump als „Kerle, Kanonen & Kokain“. Geholfen hat es nicht viel. Die „Serie Piper“ zeigte sich seriöser, schaffte es aber nicht, Crumley den Platz zu schaffen, der ihm gebührte. So ist im Moment nur „Land der Lügen“ außerhalb von Antiquariaten zu bekommen, und es liegt am rührigen Shayol-Verlag, Crumleys Vermächtnis hierzulande weiter zu tragen. Vielleicht auch, indem sich der Verlag seines letzten  Wekes „The Right Madness“ annimmt. Wir würden in der verkehrtesten aller literarischen Welten leben, wenn der letzte Scheiß im Krimiregal seine Abnehmer findet, aber jemand wie James Crumley verschütt gehen würde. Denn noch immer gilt Martin Comparts schönes Schlusswort: „Leser, die Crumley noch nicht kennen, sind zu beneiden: sie haben ihn noch vor sich. Uns anderen bleibt nur übrig, ihn immer wieder zu lesen.“ Jetzt erst recht.

 Jochen König

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