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Keine Ruh in Vanuatu. Der neueste Wyatt-Roman von Garry Disher enttäuscht als uninspirierte Fortsetzung (2006)

Posted by Giorgione - 17. Juli 2009

Das ist denn doch ein ganz schönes Durcheinander. Wer ist hier eigentlich alles hinter wem her? Und alles nur, weil Richter De Lisle ein gestohlenes Schmuckstück, eine Tiffany-Schmetterlingsbrosche, statt es heimlich zu verkaufen oder wenigstens wegzuwerfen, seiner Freundin schenkt. Das Ende der Geschichte: De Lisle ist tot, zwei Polizisten sind tot, Wyatts Freund und Auftraggeber Jardine wurde zu Tode erschreckt, ein paar Gangster haben ins Gras gebissen, ein Kurier ist hin, und Liz’ Nase und Wyatts Herz sind ein bisschen angeknackst.

In „Port Vila Blues“ geht es ein bisschen drunter und drüber. Der Einbrecher und Einzelgänger Wyatt raubt die Villa der korrupten Politikerin Wintergreen aus, die neben dem Bargeld auch ein schönes Schmuckstück in ihrem Safe liegen hat. Als Wyatt versucht, es an einen Hehler zu verhökern, wird er an Liz Redding verwiesen. Später stellt sich heraus, dass sie eine Undercover-Polizistin ist. Aber da hat er sich schon verliebt.

Gleichzeitig beschatten mehrere Gruppen sich gegenseitig: Niekerk, Riggs und Mansell knacken Safes und liefern die Beute einem Kurier ab. Springett und Lillecrapp verfolgen sie, Niekerk beobachtet den Kurier Crystal, der als Flieger besser durch den Zoll kommt und seine Koffer in Vanuatu abliefert, wo sie De Lisle in Empfang nimmt. Ein Weilchen später kommt heraus, dass De Lisle, der als Richter Zugang zu vielen Akten hat, ein kleines Netz aufgebaut hat. Er erpresst korrupte Polizisten und Kriminelle dazu, ihm Informationen zu beschaffen, Bankeinbrüche zu begehen und ihm die Beute dann auszuliefern. Erst als Wyatt ins Spiel kommt, geht für ihn (und alle anderen) alles schief.

Wyatt ist Held einer kleinen Reihe von Kriminalromanen des Australiers Garry Disher, dessen Spezialität eigentlich die genaue Beobachtung und die Verflechtung von vielen kleinen, auch liebenswerten und normalen, alltäglichen Geschichten ist. „Port Vila Blues“ ist allerdings ein wenig zu durcheinander und hat ein bisschen zu viel Personal (auch das eine Tendenz bei Disher). Viele Gruppen verbünden sich, spalten sich, misstrauen und beobachten sich, bis sie sich alle nach und nach gegenseitig erschießen. Dazu kommt der Schläger und Drogenabhängige Teddy Baker, der mehr zufällig in die Geschichte gerät, weil Richter De Lisle ihn demütigt und er Rache nehmen will. Und Wyatt, der mit Liz schläft, obwohl er da schon weiß, dass sie Polizistin ist, hat auch noch ständig Zahnschmerzen.

Zwar werden die Fäden dieser Geschichte, die von Korruption und Machtmissbrauch erzählt, alle schön miteinander verknüpft, zwar ist der Roman auch recht spannend erzählt, aber man merkt Disher doch eine gewisse Ermüdung an. Es ist beinah so, als wenn er die Reihe nur noch pflichtmäßig weiterführt, schließlich muss Wyatt ja doch irgendwo enden. Sei es im Grab, sei es als reicher Mann, der sich nach dem letzten Coup zur Ruhe setzen kann. In „Port Vila Blues“ denkt er auch darüber nach, wie das gehen könnte, auf einer Farm oder doch besser auf einem Boot. Was er auch weiterhin nicht kann, ist, sich auf eine Beziehung einlassen. Schließlich ist er sein Leben lang Gangster gewesen, immer kann jemand aus seiner Vergangenheit auftauchen und ihn bedrohen. Da ist kein Platz für Liebe. Und so bleibt Wyatt, wie er immer war: einsam. „Das Leben war für Wyatt keine Angelegenheit mitteilsamer Gesten, (…) sondern eine Sache der Taktik.“

Garry Disher: Port Vila Blues. Ein Wyatt-Roman.

Übersetzt von Ango Laina und Angelika Müller.

Verlag Pulp Master

280 Seiten, 12,80 Euro

ISBN 3927734349

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